Verhältnis Arbeitgeber und Legastheniker

Arbeitgeber: Würden Sie jemanden einstellen, von dem Sie wissen, dass er oder sie Legasthenie hat?

Verhältnis Arbeitgeber und Legastheniker - LegasthenieQuelle: Maturaarbeit „Legasthenie in der Berufswelt“ (2015)

In der Maturaarbeit „Legasthenie in der Berufswelt“ hat die Hälfte der Befragten die Legasthenie bei der Bewerbung nicht erwähnt, weil sie die für die Berufswahl als irrelevant betrachtet haben. Bei den anderen Personen, welche die Legasthenie nicht erwähnt haben, waren die Gründe, dass es ihnen peinlich war (13%) und dass sie sonst wahrscheinlich die Stelle nicht bekommen hätten (25%). 

Um herauszufinden, ob es notwendig ist, die Legasthenie zu verschweigen, wurden die Arbeitgeber gefragt, ob sie einen Legastheniker einstellen würden. Das Resultat ist in der Abbildung ersichtlich.

Knapp die Hälfte der Arbeitgeber (49%) würde einen Legastheniker einstellen, sofern das Skill-Set stimmt und die Legasthenie mehr oder weniger kompensiert werden kann.
Ein Drittel sieht es in Abhängigkeit vom konkreten Tätigkeitsbereich.

In der Medien-, Marketing- und Kommunikationsbranche wäre es für die Grafiker und Programmierer kein Problem einen Legastheniker einzustellen. Hingegen wäre es ein Problem in Bereichen, wo viele Texte formuliert werden oder direkter Kundenkontakt besteht. Im Gesundheitswesen wird von den Arbeitgebern oft erwähnt, dass es auf das Ausmass ankommt. Sie würden auch jemanden einstellen, wenn diese Person hauptsächlich in der Telefonberatung tätig wäre und weniger Berichte schreiben würde. Im Bereich Maschinenbau und Ingenieurwesen kommt es für ein Drittel auf die Stelle an. Bei den Stellen Bau/Ausführung und Design wäre auch ein Legastheniker geeignet, problematisch wird es, wenn direkter Kundenkontakt besteht.

Aufgrund der Legasthenie würden insgesamt 19% der befragten Arbeitgeber die betroffene Person nicht einstellen.

Im Medien-, Marketing- und Kommunikationsbereich ist die Begründung, dass sie sich keine Rechtschreibefehler leisten können und der Kontroll- und Korrekturaufwand zu hoch ist. Im Gesundheitswesen würden sie Legastheniker nicht einstellen, weil das schnelle und korrekte Übersetzen fachlich und zeitlich essentiell ist oder lieber 
alternative Bewerber gewählt werden. Im Bereich Maschinenbau und Ingenieurwesen würde keiner von den Arbeitgebern einen Arbeitnehmer aufgrund der Legasthenie nicht einstellen.

Als Fazit kann gesagt werden: Arbeitgeber sind nicht von Grund auf kritisch bis ablehnend eingestellt. Legastheniker haben gute Chancen, eine Stelle zu bekommen, solange die Legasthenie nicht zu einschränkend ist und die anderen Fähigkeiten den Anforderungen entsprechen. Wie gut die Jobchancen für Legastheniker sind, variiert allerdings von Branche zu Branche.

 

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*Brockes, Sabrina (2015): Legasthenie in der Berufswelt, Wil: Kantonsschule Wil. 

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